Nadine Ethner

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Neue Koordinaten für ein neues Bild

In meiner Arbeit geht es vor allem um die Suche nach neuen Koordinaten. Visuell finde ich einen Standpunkt an einem bestimmten Ort, dieser Ort ist ein Sehnsuchtsort und gleichzeitig auch ein realer Ort. Ein Ort steht dabei für viele Orte.
Den neuen Ort mit den neuen Koordinaten suchen und finden, das führt auch visuell zu neuen Lösungen.
Eine Lösung des Bildes ist die Fläche. Ich markiere einen Ort, aber gleichzeitig markiere ich auch eine Fläche. Das Nichts der Fläche hat eine Farbe.
Das Nichts hat eine Farbe.
Daneben ist ein Bild.
Diese Ebenen verschieben sich.
So wie ich einst mit Übereinanderlagerungen gearbeitet habe, so arbeite ich jetzt auch mit dem Nebeneinanderstellen von Farben, Bildern, Zeichen. Das alles ergibt die neuen Koordinaten, die neue Verortung des Sehnsuchtsortes. Wir machen uns diesen Sehnsuchtsort bewusst. Jenen Ort, der einem imaginärem Ort, einem imaginären Land gleicht. Welche Rolle spielt der Ort, an dem wir gerade nicht sind? Wir werden ihn uns gewahr. Und ich nehme ihn auf in meinen Bildern.

Das Fenster der Zeitlosigkeit öffnet sich und die Bilder legen sich deckungsgleich übereinander. Das Abstrakte wird konkret. Das Konkrete wird abstrakt durch die vielen Schichten.
Der Stempel unserer eigenen Geschichte prägt die Zeichen in unseren Bildern. Eine Verankerung in dem Bild meines neuen Standortes und die Möglichkeit einer erneuten Standortbestimmung in der nächsten Sequenz lassen die Bilder Teil einer Reise werden und die Reise fächert sich gleichzeitig in Bilder auf.

Wird uns unsere Identität klarer, wenn wir uns mit allseits bekannten Bildern beschäftigen? Wird uns unsere Identität klarer, wenn wir in die Wiederholung gehen? Die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung.
Oder wird uns unsere Identität klarer, wenn das Unerwartete passiert, das Neue auftaucht, das Extrem uns selbst an den Rand bringt?
Genau in dem Moment, wenn wir uns bewegen lassen, von dem was uns vorher eben noch nicht bewegt hatte oder von dem, was uns vorher noch nicht bekannt war. Dann verschieben sich die Koordinaten. Heraus kommt ein neues Bild. Im neuen Bild fängt eine neue Geschichte an.


Der Ort wird durch visuelle Koordinaten gekennzeichnet.
Wir transportieren etwas, was vorher woanders war. Wir transportieren aus unserer Geschichte. Von Hier nach Dort. Von der Vergangenheit ins Jetzt. Von der Welt in das Bild. Es ist ein Wechselspiel von Deckungsgleichheit der inneren und äußeren Welt, der inneren und äußeren Bilder. Ich muss Platz lassen für die neuen Bilder, die im Entstehungsprozess sind. Das Übereinandergelagerte – das, was ehemals übereinandergelagert war – darf jetzt auch eigenständig nebeneinander sein. Eine Verschiebung findet statt und alles hat seine Berechtigung.
Das Bild der Vergangenheit überlagert sich mit dem Bild der Zukunft. Neue Koordinaten für ein neues Bild entstehen. Standortbestimmung:
Ich markiere einen Ort ✕ . Zwei Linien werden zu einem Kreuz, in der Mitte treffen sie sich, dort stehe ich und entblättere das Bild.

Langzeitprojekte beinhalten viele Bilder. Eine Reise, ein Loop. Die Reise beginnt an einem Punkt und endet an einem anderen Punkt. Und jeder kann die Reise beginnen an einem beliebigen Punkt und die Reise beenden an einem anderen beliebigen Punkt. Es ist immer ein Kreislauf. It is always starting. Es beginnt immer ein neuer Kreislauf. Immer wieder neu. Die Reise beginnt sofort wieder neu! Immer!


Nadine Ethner


New Coordinates for a New Image

My work is mainly about the search for new coordinates. I find a visual stance at a certain location. That location is both a place of desire and a real place at the same time. Although it is only one place, it stands for many places.
Searching for and finding that new place with new coordinates leads to new visual solutions too.
A surface is a solution for an image. I mark a place, but at the same time I'm also marking a surface. The nothingness of the surface has a color.
The nothingness has a color.
Next to it is an image.
These planes move.
In the same way that I used to work with superimposition, I now work with placing colors, images and signs next to one another. All that yields the new coordinates I'm after, the new position of the place of desire. We become aware of that place of desire. That place that resembles an imaginary place, an imaginary land. What role does that place play when we are not there? We begin to perceive it. And I record it in my images.

The window of eternity opens and the images superimpose themselves on one another. Abstract becomes concrete. Concrete becomes abstract because of the many layers.
The stamp of our own history shapes the signs in our images. Being anchored in the image of my new location and having the option of selecting a new location during the next sequence make the image part of a journey, a journey that simultaneously expands into images.

Does our identity become clearer to us when we think about universally recognizable images? Does our identity become clearer to us when we repeat? Repeating what we repeated what we repeated. Or does our identity become clearer to us when something unexpected occurs, something new crops up, something extreme drives us to the edge? At that precise moment when we allow ourselves to be moved by something that has never moved us before, or by something that we have never known before—that is when the coordinates move. The result is a new image. The new image starts a new story.

The place is defined by visual coordinates. We transport something that used to be somewhere else. We transport it from our history. From here to there. From the past into the present. From the world into the image. It is a type of interaction between a superimposed inner and outer world and superimposed inner and outer images. I need to leave room for the new images that are in the process of emerging. The superimposed—that which was once superimposed—can now exist side by side on its own. A shift takes place, and everything moves for a reason.
The image of the past superimposes on the image of the future. New coordinates for a new image emerge. Determining the location:
I mark a place ✕ . Two lines become a cross. They meet in the middle, where I stand and strip the image of its leaves.

Long-term projects contain many images. A journey, a loop. The journey begins at one point and ends at another point. Each person can begin the journey at any point they like and finish the journey at any other point they like. It is always cyclical. It is always starting. New cycles are beginning all the time. Every one is new. The journey is starting again right now! Forever!


Nadine Ethner